Eltern werden ist sehr wohl schwer!

Nach dem harten Tobak gestern ein ganz anderer Bereich: Was sollten werdende Eltern in Berlin beachten? 
Schwangersein und Elternwerden ist für jeden ja eine ganz persönliche Erfahrung: Der eine freut sich darauf, die nächste nicht, die Schwangerschaft verläuft problemlos oder man liegt auf dem Sofa und darf sich nicht bewegen... Also überhaupt nicht zu verallgemeinern. Was man aber tatsächlich in einem Artikel zusammenfassen kann und vielleicht auch als Warnung für alle zukünftigen Club-Mitglieder machen sollte, sind die Besonderheiten des Elternwerdens in Berlin. 
Geliebte Hauptstadt, grau, unfertig, hip, arm, sexy und leider auch: völlig chaotisch und unorganisiert und überfordert. Jammern über die Berliner Missstände ist praktisch schon Routine, aber leider oft völlig zu Recht. Daher hier eine Liste der Casi knacksi:

Hebamme finden

Hier geht es schon los, die netten Damen können nur eine begrenzte Anzahl junger Familien betreuen, da die vielen Hausbesuche nach der Geburt mit zusätzlichen Fahrzeiten natürlich enorm Zeit verschlingen. Wenn ihr aber dann aber nicht mehr unter den Suchenden seit, merkt ihr, wie gut es tut, dass eure Hebamme sich Zeit für euch und das Kind nimmt und nicht gleich nach fünf Minuten wieder weiter hetzt. Und wer weiß, welchen Stundenlohn Hebammen dafür abrechnen können, der wird das Sich-Zeitnehmen gleich noch mehr schätzen. Um in den Genuss einer Hebamme zu kommen, setzt euch bitte als allerersten Punkt auf eure Vorbereitungsliste das Finden eurer Hebamme. Ich wiederhole: als allerersten Punkt. Noch vor dem Kaufen kleiner süßer Bodys oder neuer Schwangerschaftsjeans. Telefonnummern gibt es über gute Freundinnen, Krankenhäuser, Geburtshäuser oder auch auf der Seite des Berliner Hebammenverbandes.

Kita finden

Und auch zum Thema Kita-Finden hört man immer wieder, dass man diesen Punk schon in der Schwangerschaft erledigen soll. Egal für welchen Zeitpunkt man den Kitabeginn plant. Ich selber kam mir ja ziemlich lächerlich allein schon beim Gedanken vor, ohne tatsächliches Kind bei Kitaleitern vorstellig zu werden. Und kam im Ergebnis dann auch ziemlich ins Schwitzen, als ich in den Lebensmonaten 4-6 bei einigen Kitas ankam und man mir nie eine garantierte Zusage geben konnte. Schließlich hat es bei einer Kita und noch dazu unserer bevorzugten Kita geklappt, aber das war wohl eher Glückssache, weil die Kita versteckt in einem Hinterhof liegt und von der wir nur durchs Hörensagen erfuhren. Während der Eingewöhnung saß ich dann glückselig auf dem Sofa im Spieleraum und wurde Zeuge, wie eine werdende Mutter mit ca. 5-Monatsbauch meinte, sie wolle sich gerne die Kita ansehen. Und wie die Kitaleiterin strahlend erwiderte: "Endlich mal jemand, der rechtzeitig kommt." Na klar, ist für sie ja auch nicht angenehm, immer nur Absagen erteilen zu müssen. Leider musste sie es in diesem Falle dennoch, denn die Mutter suchte nicht für das bald-Neugeborene, sondern für ihre 2-jährige Tochter einen Platz... Und die Moral von der Geschichte: Fühlt euch nicht lächerlich, wenn ihr so früh auf Kita-Suche geht, sondern freut euch auf die zufriedenen Gesichter der Kitaleiter, wenn sie euch eine Zusage geben können.

Krankenhaus finden

Und noch einmal gilt: Nicht zu lange warten! Kaum zu fassen, aber selbst Krankenhäuser haben mittlerweile eine genaue Planung und lassen, wenn sie schon zu viele Anmeldungen für einen Geburtsmonat haben, keine weiteren werdende Eltern zu. Außerdem schadet es nicht, sich zwei bis drei Krankenhäuser anzusehen und dann eine fundierte Entscheidung zu treffen. Und die Infoabende für werdende Eltern finden meistens 1x im Monat statt, ein bis zwei Termine könnt ihr vielleicht aus terminlichen Gründen nicht wahrnehmen und schwups seid ihr im 8. Monat und die Anmeldeliste ist schon voll. Oder ihr findet die Vorstellung zu anstrengend, euch so einen Infoabend anzutun, und entscheidet euch unbesehen für ein Krankenhaus und landet dann in einem stickigen Kreissaal ohne Fenstern und Klimaanlage bei 40 Grad Hitze. In unserem Fall hörten wir beim Infoabend eines Krankenhauses im August, dass leider keine Hebamme an der Veranstaltung anwesend sein könne, weil sie in den Sommerferien unterbesetzt sind. Diese Bemerkung haben wir uns eine leise Warnung sein lassen, unser Weihnachtsbaby lieber nicht dort zur Welt zu bringen.

Elterngeld beantragen

Kann man die obenstehenden Punkte noch toppen? Jep. Es sind unglaublich viele Papiere zusammenzusuchen, Entscheidungen zu treffen über Start und Ende der bezahlten Elternzeit und über die Aufteilung der Elternmonate auf die Eltern... Vermutlich kommen einige Fragen beim Ausfüllen des Formulars auf und die dann zu klären kostet Zeit. Denn die Elterngeldstelle hat 1x die Woche vormittags Telefonsprechstunde und da ist dann die Leitung dauerbelegt. Wie das Ganze für Selbstständige aussieht, will ich lieber nicht ausführen, aber: Lasst euch nicht entmutigen, das wird sich alles klären, nur plant genügend Zeit ein. Denn die Bearbeitung der Anträge durch die Elterngeldstelle dauert dann noch einmal sechs bis acht Wochen. Also auch hier am besten vor der Geburt anfangen. Und ein letzter wichtiger Punkt: Prüft die Bescheide, die ihr erhaltet, ganz genau! Ihr habt nur 4 Wochen Zeit, um Widerspruch dagegen einzulegen und wenn euch später Fehler auffallen, dann habt ihr schlicht und einfach Pech gehabt. Bei meinem Mann haben sie zweimal falsch und natürlich zu seinen Ungunsten berechnet. Und bei mir stand auf einmal ein Monat zu wenig im Bescheid. Wenn man sich so im Bekanntenkreis umhört, dann scheint das öfter zu passieren... 
Honi soit qui mal y pense (Ein Schelm, wer Böses dabei denkt). 
PS: Tatsächlich sind nicht alle hier aufgezählten Probleme der Berliner Verwaltung anzulasten. Wer mehr über die hausgemachten Berlin-Probleme erfahren möchte, der möge den Tagesspiegel-Newsletter "Checkpoint" abonnieren, in dem Lorenz Maroldt in großartig sarkastischer Weise der Berliner Administration Feuer unter dem Hintern macht.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Katharina von M.O.M.M.-MoJo on my mind (Mittwoch, 20 April 2016 16:06)

    Zunächst einmal: Dein Blog-Banner finde ich echt genial :D Und dein Post hier ist echt praktisch! Man rechnet gar nicht daran, wie kompliziert der "bürokratische" Teil des Kinderkriegens sein kann. Da ist jeder praktische Tipp für werdende Mütter echt Gold wert =)