Theaterempfehlung: The Situation

Wir waren diese Woche endlich mal wieder im Theater und haben ein Stück gesehen, dass ich euch voll und ganz empfehlen kann: "The Situation" am Gorki Theater in Berlin. 
Als "the situation" wird von Israelis und Palästinensern die dortige politische Lage bezeichnet und tatsächlich wird dieser komplexe Konflikt auf der Bühne auf die persönliche Ebene heruntergebrochen und im Rahmen eines Deutsch-/Integrationskurses behandelt. In diesem Kurs treffen eine israelische Jüdin und ihr israelisch-moslemischer (Noch-)Ehemann mit libanesisch-palästinensischen Wurzeln auf einen syrischen und zwei palästinensische Flüchtlinge. Alle jung beziehungsweise in den besten mittleren Jahren, alle noch gefangen in ihren kulturellen und politischen Hintergründen. Und alle unfähig oder unwillig, diese persönlichen Erfahrungen und Prägungen an der Grenze zu Deutschland abzugeben und sich quasi als unbeschriebenes Blatt Papier "uniformer Neudeutscher" aufstempeln zu lassen. 
Und damit überfordern sie ihren gutgläubigen, leicht-naiv erscheinenden Deutschlehrer, dem das Integrieren nicht nur Arbeitsplatz, sondern vielmehr sinnstiftende Herzensangelegenheit ist. Der dramaturgische Verlauf des Stückes ist recht überraschend, vor allem aber regt er zum Nachdenken an und ist an keiner Stelle langweilig!
Danke an das Gorki Theater, dass sie dieses Stück ins Programm genommen haben. Für mich war Theater nach ein paar schlechten Erfahrungen lange Zeit entweder mit Staub, Langeweile und nicht voranschreitendem Uhrzeiger verbunden. Oder alternativ mit unnötiger Nacktheit und selbstverliebten größenwahnsinnigen Inszenierungen. Es hat mir wieder Lust auf Theater gemacht, ein Stück mit realitätsbezogenem Inhalt auf einfache, ironische und frische Weise dargebracht zu sehen. 
PS: Weitere Vorstellungen finden statt am 30.4., 13.5., 18.5., 20.5. und 30.5. im Gorki Theater Berlin.

 

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