Die Sache mit der Kita

Auf dem Weg zur Kita...
Auf dem Weg zur Kita...
Darüber, wie wichtig es ist, frühzeitig eine Kita zu suchen, habe ich ja kürzlich schon geschrieben. Aber worauf soll man bei der Kitaausswahl (so man denn eine Wahl hat) und der Eingewöhnung achten?

Kriterien zur Wahl der Kita

  • Nähe: Es ist natürlich praktisch, sich eine Kita in seinem direkten Wohnumfeld oder entlang des Arbeitsweges zu suchen. Unsere Kita liegt fünf Minuten Fußweg von uns entfernt. Ein absoluter Luxus, wenn man während der Eingewöhnung kurz fernbleiben darf oder wenn das Kind wegen Unwohlsein abgeholt werden muss. 
  • Kosten: Man sollte auch vorher erfragen, ob der Träger der Kita Zusatzangebote vorsieht, die die Eltern dann zusätzlich zum vom Jugendamt errechneten Beitrag teuer bezahlen müssen. Wer sich über Musikunterricht oder Yoga in der Kita freut, für den sind diese Angebote dann vielleicht sogar der Grund, die entsprechende Kita auszuwählen. Wer aber sein Kind einfach in einer netten Kita mit sympathischen Erzieherinnen aufgehoben und betreut wissen möchte, für den sind im Zweifel mehrere hundert Euro Zusatzkosten pro Monat dann eine unangenehme Überraschung. Auch gut zu wissen: Der Berliner Senat hat kürzlich beschlossen, die Eigenbeteiligung der Eltern an der Kitabetreuung schrittweise ab August 2016 abzuschaffen. Ob man dafür ist oder lieber einen Eigenanteil im Gegenzug für einen besseren Betreuungsschlüssel leisten würde, sieht vermutlich jeder anders. Aber: Warum eigentlich entweder oder?
  • Betreuungssituation: Ein weiteres Entscheidungskriterium ist der schon erwähnte Betreuungsschlüssel: Wie viele Kinder kommen auf eine Erzieherin? Hier ist meistens der Idealfall dargestellt, wenn man Urlaubs- oder Krankheitstage der Erzieherinnen berücksichtigt, dann sieht der Betreuungsschlüssel gleich schlechter aus. (Übrigens hat Berlin bundesweit den schlechtesten Betreuungsschlüssel. Hat die Kita einen Garten oder zumindest einen Hof in dem die Kinder spielen können? In unserer Nähe ist ein Park, der eigentlich nur ein riesiges Hundeklo für die Nachbarschaft ist und dessen gepflasterter Mittelbereich voller Scherben liegt. Und dorthin kommen regelmäßig Kitagruppen, damit die Kinder auch einmal draußen spielen und sich austoben können! Wie schrecklich.
  • Größe der Kita: Eine große Kita hat Vor- und Nachteile. Schlecht ist, dass der Geräuschpegel  und somit der Stress für Kinder und Erzieher meist sehr hoch ist und dass mehr Kinder auch mehr Ansteckungsmöglichkeiten für die leidigen Kinderkrankheiten bedeuten. Gut ist hingegen, dass eine große Kita ganz andere Öffnungszeiten bieten kann. Sie können also früher beginnen und später schließen und auch in den Ferienzeiten eine "Notbetreuung" anbieten. Die Kinder einer kleinen Kita müssen hingegen im Zweifel in einer fremden Kita mit fremden Erziehern untergebracht werden oder man muss eine private Betreuung organisieren...
  • Essen: Nicht alles muss bio sein, aber ob das Essen frisch gekocht ist oder voller Glutamat und Zusatzstoffe, ist doch ein Entscheidungskriterium. Vermutlich wissen die meisten von euch, wie unangenehm Großkantinen riechen. Dass man selber dieses Zeug isst, nimmt man aus Bequemlichkeit oder zum sozialen Austausch mit den Kollegen in Kauf, aber ob man das seinem einjährigen Kind auch zumuten möchte?
Und zu guter Letzt: Die obenstehenden Gründe sind superwichtig, aber man sollte auch sein nicht Bauchgefühl ausschalten. Wenn ihr eine Kita besichtigt, dann schaut euch die Kinder an! Sind sie ausgeglichen, zufrieden, spielen sie friedlich miteinander oder wirken sie gestresst und schnell gereizt? Sind die Erzieherinnen den Kindern zugewandt, lächeln sie viel und wirken auch sie nicht überfordert, gestresst und leicht reizbar? Die Stimmung in einer Kita ist wirklich so entscheidend! Ein schlechter Betreuungsschlüssel, Stress zwischen Kitaleitung und Erzieherinnen oder zwischen Erzieherinnen und Eltern können selbst eine objektiv tolle Kita schnell zu einer unangenehmen Erfahrung für das Kind machen.

Eingewöhnung

  • Wann? Hier spielen viele Punkte mit rein und jeder muss diese Entscheidung für sich selber treffen. Vielleicht kann der Arbeitgeber den Job nicht länger freihalten oder man hat das Gefühl durchzudrehen, wenn man noch länger in dieser Kinderblase festhängt? Oder man kann sich nichts Schöneres vorstellen, als die ersten Kinderjahre auszunutzen, um dem Kind ein tolles Zuhause zu bieten und eine möglichst enge Bindung zu ihm aufzubauen? Alles legitim! Meine Erfahrung ist hier nur, dass es zumindest nicht schadet, dass das Kind schon sicher stehen oder auch laufen kann. Denn in einer Kita - Überraschung - gibt es Kinder! Viele kleine, wuselige spielende Kinder, die andere Kinder anrempeln oder von einem Raum in den nächsten laufen. Wenn das eigene Kind dann hinterherlaufen kann und nicht warten muss, bis die Erzieherin es irgendwohin trägt, oder sich nach einem Schubs wieder fängt und nicht kopfüber ins Regal stürzt, dann ist das für das Elternherz doch eine Beruhigung.  
  • Wie? In Berlin wird das Modell einer langsamen Eingewöhnung praktiziert, bei der Mutter oder Vater erst dabeibleiben und nach einigen Tagen dann langsam immer länger wegbleiben. Mir wurde vorher von den Erzieherinnen gesagt, dass die Eingewöhnung 7-8 Wochen dauert und Kinder entweder direkt am Anfang oder nach 6-7 Wochen den "Kitaschmerz" spüren. Sprich: Weinen und nicht Loslassen-Wollen, wenn die Eltern gehen, oder auch weinen vor Erleichterung, wenn die Eltern wieder kommen. Ich konnte mir ja beim besten Willen nicht vorstellen, dass mein Sohn nicht gerne in die Kita gehen würde, denn zuhause hatte er sich in den letzten Monaten schon arg gelangweilt. Und tatsächlich lief die Eingewöhnung reibungslos, schon nach 3 Wochen war die Eingewöhnung offiziell abgeschlossen. Und just die Woche darauf kam er doch, der Kitaschmerz... Angeblich schwerer für die Eltern, weil sie den Anblick des weinenden Kindes den ganzen Tag mit sich herumtragen, während die Kinder sich nach einigen Minuten wieder beruhigen und zufrieden den Tag in der Kita verbringen. Aber auch mit diesem Wissen war es dennoch sehr viel leichter für mich gewesen, ihn strahlend in der Kita zurückzulassen als weinend wie im Moment. Ein gutes Verhältnis zu den Erzieherinnen kann dann viel Beruhigung bringen: Wir rufen nach 10-15 Minuten an und können den Arbeitstag entspannt mit der Information beginnen, dass er sich sehr schnell beruhigt hat und im Moment zufrieden an einem Apfelschnitz mümmelt.
Einen Tipp zur Eingewöhnung gibt es gerade auf MUMMY-MAG: Plant am besten keinen Urlaub in den ersten Monaten, das bringt im Zweifel nur das sensible Kita-Gefüge durcheinander! Den Artikel findet ihr hier...

 

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