Das Leben ist zu kurz um schlechten Wein zu trinken... - Wie kaufe ich guten Wein?

Kennt ihr das auch? Man ist zum Abendessen eingeladen und will einen guten Wein als Gastgeschenk mitbringen. Oder man hat zum Essen eingeladen und will seinen Gästen nichts Schlechtes vorsetzen. Aber jetzt steht man vor dem Weinregal und ist angesichts der Regale voll Weißwein, Rotwein, brauner Flaschen und grüner Flaschen einfach überfordert. Am Ende greift man zur Flasche mit dem schönsten Etikett oder mit der originellsten Form und endet bei einem Bocksbeutel. Halt, Stopp, Nein! Stellt die Flasche erst mal wieder zurück und lest weiter.

 

Ich war früher kein großer Weinfan, irgendwie konnte ich dem nichts abgewinnen. Und zum Essen habe ich sowieso lieber Wasser getrunken, ich mochte diese Vermischung der Geschmäcker nicht. Dann kamen aber die Schwangerschaft und die Stillzeit und auf einmal DURFTE ich keinen Wein mehr trinken. Während mein Mann sich neben mir genüsslich jeden Abend ein Glas eingeschenkt hat. Und wie das so ist mit den verbotenen Dingen: Erst war ich ein kleines bisschen neidisch, dann wollte ich nur kurz am Glas nippen und schließlich durfte mein Mann die besonders guten Flaschen Wein nicht mehr anrühren, solange ich nichts davon abhaben konnte. Und seit ich wieder etwas trinken darf, gehört das Glas Wein fast jeden Abend dazu, um zu feiern, dass das Kind eingeschlafen ist, und um einen anstrengenden Tag entspannt zu beenden.

 

Und an besonders anstrengenden Tagen eventuell auch schon zu Mittag (siehe das obenstehende Beweisbild). Und derjenige werfe hier den ersten Stein, der ebenfalls schon mal monatelang maximal zwei Stunden am Stück geschlafen hat, andauernd auf Rufbereitschaft war (die auch fleißig in Anspruch genommen wurde) und nie dringend das Bedürfnis verspürt hat, sich der Situation zu entziehen. Denn bevor man dann die obligatorischen Zigaretten kaufen geht und nie wieder zurückkehrt, kann ein Glas Wein die dringend benötigte Atempause darstellen. 

 

Langer Rede kurzer Sinn: Ich habe im letzten Jahr einen Einblick in das Thema Wein bekommen und möchte alle diejenigen von euch daran teilhaben lassen, die beim Weinkauf vor dem Supermarktregal stehen und einfach nicht wissen, wie sie vorgehen sollen. Es folgen vor allem die elementaren Basics zum Thema, aber am Ende habe ich noch einen Tipp, den vermutlich selbst die Weinkenner unter euch noch nicht kennen. Weiterlesen (oder runterscrollen) lohnt sich also.

Wo soll ich Wein kaufen?

Geht am besten nicht in den Supermarkt, sondern zu einem Weinhändler. Der kann euch beraten und ihr könnt auch gleich verschiedene Weine probieren. Probiert ganz unterschiedliche Weine und versucht ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Herkunftsländer/-Regionen und Rebsorten euch generell zusagen. Mineralische ungarische Weißweine oder fruchtige italienische Rotweine? Sauvignon Blanc oder Cabernet Franc? Weinhändler müssen übrigens nicht zwangsläufig teurer sein als Supermärkte. Gerade wenn der Wechsel zu einem neuen Jahrgang ansteht, kann man gute Weine zu sehr guten Preisen bekommen. 

Das System der Appellationen

Falls ihr alle diese Vorarbeiten aber noch nicht leisten konntet und jetzt gerade vor dem Weinregal steht und dringend zu eurer Essenseinladung müsst, dann gibt es einen verlässlichen Indikator für gute Weine: Appellationen, also Gütesiegel, die die Qualität und die Herkunft der Weine garantieren. 

Bei französischen Weinen sollte AOP, also Appellation d'Origine Protégée, auf dem Etikett stehen. Bei spanischen Weinen D.O., also Denominación de origen. Bei italienischen Weinen DOC, sprich Denominazione de Origine Controllata. Und last but not least: Bei deutschen Weinen heißt das Siegel Q.b.A, Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete. Wenn ihr auf diese Siegel achtet, habt ihr mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit einen guten Wein in der Hand.
Es gibt noch andere Siegel, wie zum Beispiel DOT bei italienischen Weinen: Denominazione de Origine Tipica. Das muss jetzt kein schlechter Wein sein, aber die Qualitäts- beziehungsweise Herkunftsanforderungen sind geringer als bei DOC. Also haltet euch einfach an die obenstehenden Gütesiegel. :-)

Die Bewertung der Weinjahrgänge nicht vergessen!

Aber natürlich sind nicht nur Herkunftsregion und Rebsorte entscheidend, sondern tatsächlich auch das Wetter, das die Jahrgänge dann durch Temperatur, Sonne und Wind prägt. Wer kein Gedächtniskünstler ist und sich die Wetterlagen der vergangenen zehn Jahren für alle Weinanbauregionen eingeprägt hat, der kann sich vertrauensvoll an die folgende Webseite wenden: Captain Cork hat, nach Ländern und Weinanbauregionen sortiert, Punkte für die verschiedenen Jahrgänge verteilt. Ein kurzer Blick darauf und die Auswahl im Regal scheint gleich weniger verwirrend. Den Jahrgangsführer findet ihr hier.

Welcher Wein zu welchem Essen?

Übrigens gilt die alte Regel "Weißwein zu Fisch und Rotwein zu Fleisch" nicht mehr zwangsläufig. Ihr könnt und sollt da nach Geschmack entscheiden (und euch auch trauen, nach Geschmack zu entscheiden). Im Zweifel könnt ihr in eure Überlegungen miteinbeziehen, welche Beilagen es geben wird. Also etwa Weißwein zu Spargel und Rotwein zu Kartoffelgratin. Aber auch hier gilt: Traut euch die Entscheidung ruhig zu!

Die Serviertemperatur des Weines

Weißwein serviert man zwar generell gekühlt, aber er sollte circa 20 Minuten vor dem Servieren aus dem Kühlschrank genommen werden. Und der Rotwein kann vor dem Servieren auch noch einmal für 5 Minuten in den Kühlschrank. Was, echt? Ja, man sagt zwar, dass Rotwein Zimmertemperatur haben soll. Das ist aber schon eine ältere Goldene Regel, die aus einer Zeit stammt, als die Zimmer einfach noch kühler waren als heutzutage. 18 Grad ist tatsächlich die ideale Temperatur für Rotwein.

Geheimtipp

Und nun zum versprochenen Insider, den ich in einem Interview mit einem Sommelier gelesen habe: Den Wein 2-3 Minuten auf höchster Stufe durch den Mixer jagen. Zuckt ihr gerade schmerzhaft zusammen? Mein Mann fand den Vorschlag auch höchst suspekt und quasi ein Verbrechen am Wein an sich. Aber: Dann hatten wir doch einmal eine Flasche Wein vor uns, die nicht ganz verkehrt, aber auch einfach nicht wirklich gut war. Und an der durfte ich den Tipp dann testen. Wohlgemerkt ich, mein Mann fand das Ganze immer noch frevelhaft und wollte seinen Wein ohne Mixer. Und war dann bekehrt, nachdem er an meinem Glas gerochen hat. Denn die Sache mit dem Mixer macht wirklich einen Unterschied wie Tag und Nacht!
Es ist, als ob der Wein noch ein weiteres Jahr reifen konnte und richtig lange geatmet hat. Man holt damit quasi das Maximum aus einem Wein raus. Selbst Freunde, die von sich sagten, sie würden nie Unterschiede zwischen Weinen bemerken, fanden den Vorher-Nachher-Effekt erstaunlich. Also unbedingt nachmachen! Ob man mit dieser Methode allerdings aus schlechten Weinen noch etwas rausholen kann, da bin ich überfragt. Aber probiert es gerne aus und hinterlasst mir einen Kommentar dazu. :-) 

Und wer sich jetzt genauer in das Thema einarbeiten möchte oder ein Geschenk für einen interessierten Freund sucht, dem sei die Bibel der Weinliebhaber ans Herz gelegt: Der große Johnson.

 

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