Abnehmen: Neues aus der Wissenschaft, das ihr unbedingt vor einer Diät wissen solltet!

Schaufensterpuppe als Schönheitsideal?

Nun beginnt der Sommer ja tatsächlich, es ist warm, die Klamotten werden kürzer und die Bikinisaison rückt näher. Leider in unseren Zeiten mit möglichst dünnen und durchtrainierten Körpern als Schönheitsideal nicht für jeden ein Grund zur Freude. Denn auf der einen Seite wissen wir zwar, dass die meisten Hochglanzformate gephotoshoppt sind und freuen uns diebisch, Fotos von Prominenten vor und nach der Bildbearbeitung zu sehen. Auf der anderen Seite aber wird uns durch die Dauerberieselung mit Werbeplakaten, auf denen sich Unterwäschemodels räkeln, und Frauenzeitschriften mit Diätrezepten permanent eingeredet, dass man doch ein paar Kilos zu viel drauf hat. 

 

Bevor diejenigen von euch, die für so etwas empfänglich sind (vermutlich 90 Prozent?), jetzt der nächsten Brigitte-Diät folgen oder mit der Tracy Anderson-Methode ein schindendes Sportprogramm (ich habe das vor Jahren mal ausprobiert und - real story! - gerade mal 5 Minuten durchgehalten) beginnen, möchte ich euch einige neueste Erkenntnisse aus der Wissenschaft vorstellen. Eine Gruppe Mediziner hat die Teilnehmer der 8. Staffel der US-amerikanischen Show "The Biggest Loser" über sechs Jahre begleitet. Und kam so zu Erkenntnissen, die tatsächlich recht erschreckend sind: 

 

1. Der Stoffwechsel stürzt in den Keller - und BLEIBT dort!

Dass sich der Stoffwechsel während einer Diät verlangsamt, das wusste vermutlich jeder von uns auch schon vorher. Was soll`s, denkt man sich. Dann bin ich halt ein paar Wochen danach noch weiter superdiszipliniert, bis er sich wieder erholt hat. Aber was man jetzt herausgefunden hat: Pustekuchen mit erholt sich wieder. Wenn der Stoffwechsel nach einer so krassen Diät, wie ihn die Biggest Loser Kandidaten hinter sich haben, im Keller ist, dann bleibt er dort auch. Und nicht nur das, er verschlechtert sich in den kommenden Jahren auch noch. 

 

Während die Kandidaten bei Beginn der Show einen für Menschen ihres Körperbaus völlig normalen Stoffwechsel hatten, hatten sie am Ende einen für ihren Körperbau zu niedrigen Kalorienverbrauch. Das heißt sie verbrauchen weniger Kalorien als Vergleichspersonen ihres Alters und Gewichts. Und dies ist auch sechs Jahre nach Ende der Show immer noch so, beziehungsweise sogar noch stärker ausgeprägt. Im Schnitt verbrauchen die Kandidaten 500 Kalorien weniger am Tag (!!!) als Vergleichspersonen. Selbst mit einer normalen und gesunden Ernährungsweise können sie ihr Gewicht also nicht halten. 

 

2. Das Hormon Leptin sorgt für dauerhaften Hunger

Das Hormon Leptin, das für das Sättigungsgefühl zuständig ist und für Hunger sorgt, wenn der Hormonspiegel zu niedrig ist, ist bei den Kandidaten nach der Show in den Keller gefallen und selbst Jahre später nicht auf das Level vor der Show zurückgekehrt. Vor der Show hatten sie im Schnitt 41,1 Nanogramm Leptin per Milliliter im Blut, nach der Show nur noch 2,6 ng/ml. Und selbst 6 Jahre später ist ihr Hormonspiegel durchschnittlich erst wieder bei 27,7 ng/ml angekommen. Man kann sich das im Ergebnis so vorstellen, dass sie gegen ein permanentes (Heiß-)Hungergefühl ankämpfen. Eine schreckliche Vorstellung... Wer schon mal mit ein paar Chips begonnen hat und am Ende nicht aufhören konnte bevor die Packung leer war, der versteht vermutlich, welchen Kampf die Kandidaten tagtäglich führen.

 

Im Ergebnis haben die Teilnehmer der 2009er Staffel durchschnittlich 70% ihres Gewichtsverlusts wieder zugelegt. Tendenz: steigend. Und das obwohl sie weniger essen und mehr Sport machen als Vergleichspersonen ihres Körperbaus. Und nur eine einzige Teilnehmerin konnte (unter nach eigenen Angaben großen Entbehrungen) ihr Gewicht halten.

 

Natürlich ist ein Gewichtsverlust in der Größenordnung der Biggest Loser Show nicht vergleichbar mit dem Abnehmen von 5-10 Kilogramm. Aber einige Lektionen sollte man dennoch aus den Erkenntnissen ziehen.

 

3. Lektionen daraus aka Regeln fürs Abnehmen

Die offensichtlichste Lektion: Am besten lässt ihr es gar nicht so weit kommen, dass euer BMI in die Nähe der Grenze zur Fettleibigkeit (BMI über 30) kommt. Dann müsst ihr eurem Körper auch nichts ebenso drastisches zumuten wie die Kandidaten der Show und bringt ihn nicht derart aus dem Gleichgewicht. Wenn ihr aber abnehmen wollt, dann nicht zu viel auf einmal. Wenn ihr den Körper in eine Krise stürzt, dann versucht er jahrelang verzweifelt, das alte Gewicht wieder zu erreichen. Und um im Kampf gegen Stoffwechsel und Hungergefühl zu gewinnen, muss man disziplinierter sein, als es die meisten von uns vermutlich sind.

 

Keine Diät: Am besten beginnt ihr also keine Diät, weil sie den Körper vielleicht unwiederbringlich aus dem Gleichgewicht bringt. Esst nicht zu wenig, sondern lieber gesund! Und treibt nicht exzessiv Sport, sondern lieber 1-2 Male die Woche. Sprich: Nichts, was ihr nicht für immer durchhalten könnt.

 

Macht euch keine Vorwürfe: Und wenn ihr schon einige Diäten hinter euch habt und die Kilos immer wieder zurückkommen und ihr euch vielleicht für eure Disziplinlosigkeit schämt: Es liegt nicht an euch! Ihr bildet euch das nicht ein, sondern ihr müsst tatsächlich gegen euren Körper ankämpfen...

 

Das Wichtigste in Kürze

Für alle, die nicht übergewichtig sind, aber für die es dennoch unbedingt eine Bikinigröße kleiner sein muss: Stellt eure Ernährung um, aber ganz langsam und gesund. Dann könnt ihr vielleicht noch nicht diesen Sommer die Größe 34 tragen, aber dafür vielleicht im nächsten oder im übernächsten. Und könnt dafür Jahrzehnte später noch mit eurer 12jährigen Enkelin einen Kleiderschrank teilen.

Wenn das denn erstrebenswert ist... ;-) 

 

PS: Wer mehr wissen will, der lese den Artikel in der New York Times dazu.

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Christian Schön (Donnerstag, 12 Mai 2016 11:04)

    Und apropos "Das Neuste aus der Wissenschaft": Angeblich ist es vom Gesichtspunkt der Gesundheit auch gar nicht mehr so erstrebenswert, einen BMI zwischen 18 und 24 zu haben. Vielmehr werden die Menschen mit einem höheren BMI inzwischen älter als die mit einem niedrigen: http://www.berliner-zeitung.de/gesundheit/gesundheitsstudie-forscher-fordern-neue-definition-fuer-uebergewicht-24037950?dmcid=nl_20160511_24037950
    Gesund ernähren sollte man sich wohl trotzdem...

  • #2

    Mona Silver (Samstag, 10 Dezember 2016 10:57)

    Das ist ein toller Beitrag, vor allem, weil er von jemandem kommt, der selbst so eine gute Figur hat. Ich kämpfe schon mein Leben lang, blicke auf genau so viele Erfolge wie Misserfolge zurück und ende doch immer wieder als Pummeleinhorn. Ich gebe zu, ich hasse mich oft wegen meiner Disziplinlosigkeit und selbst ein bis zwei Mal Sport in der Woche ist für mich schon nicht einfach so durchzuhalten. Ich werde es wieder versuchen, immer wieder, und vielleicht schaffe ich es ja irgendwann mal, meinen Körper wenigstens soweit zu akzeptieren, wie er ist. Dann muss er aber auch aufhören, immer noch mehr in die Breite wachsen zu wollen. ;)

  • #3

    Sara (Samstag, 10 Dezember 2016 12:46)

    Liebe Mona, vielen Dank für deinen Kommentar! Was für mich gut funktioniert hat, war: Aufhören, über das Essen nachzudenken! Nicht mehr Gedanken darüber machen, wieviel man schon gegessen hat und wieviel Kalorien das hatte. Nicht in der Früh schon planen, was man abends essen wird. Das war anfangs gar nicht so leicht, aber ich habe mir 3 Monate Zeit für dieses "Experiment" gegeben. Einfach mal machen lassen und wenn ich dabei zunehme, dann ist das eben 3 Monate lang so. Und nach ein paar Monaten war es tatsächlich so, dass mein Körper sich eingependelt hat. Ich habe darauf gehört, was er zu essen haben wollte, und im Gegenzug dafür habe ich angefangen, langsam abzunehmen. Obwohl ich mehr gegessen habe als je zuvor. Win-Win. :) Sara