10 Tipps für werdende Väter (Euer Job während der Geburt)

10 Tipps für werdende Väter bei der Geburt

Früher war es nicht erlaubt, dass Männer mit in den Kreißsaal kommen, geschweige denn war es üblich. Das ist heute zum Glück anders. Ich kenne in meinem Freundes- und Bekanntenkreis niemanden, bei dem die Geburt allein Frauensache war und der Mann wie anno dazumal vor der Tür gewartet und Schnaps getrunken hat. Allerdings bereitet das, was dann während der Geburt passieren wird, vielen Erstlingseltern doch etwas Sorgen. Was wird passieren? Wird alles gutgehen? Wird unser Sexleben danach zerstört sein? Deswegen möchte ich euch heute gerne einige Tipps für den Kreißsaal mit auf den Weg geben. Und da die Frauen während der Geburt ziemlich schnell völlig von Wehen vereinnahmt sind und gar keine Kapazitäten mehr haben, sich groß Gedanken zu machen, geschweige denn, sich unnütz und/oder untätig zu fühlen, möchte ich diese 10 Tipps gerne den werden Vätern widmen. Keine Sorge, Männer, ihr packt das!

Sei da!

Wenn die Wehen losgehen, springe nicht gleich auf und verbreite Panik. Auf der anderen Seite ist es auch nicht anständig, sich noch einmal umzudrehen und weiterzuschlafen, "weil eh noch nichts passiert". Das hängt natürlich von deiner Frau/Freundin ab, aber im Zweifel gilt: Wenn sie dich aufweckt und dir mitteilt, dass es losgeht, dann möchte sie auch deine Unterstützung. Sonst hätte sie dich erst noch weiterschlafen lassen.

Sei gut vorbereitet!

Packe deinen eigenes Krankenhausgepäck: Zahnbürste, Wechselklamotten, bequeme Schuhe (im Zweifel müsst ihr irre Strecken zurücklegen) und Snacks. Denn egal wie hungrig du bist, du solltest auf keinen Fall deine Frau, die schon stundenlang krasse Schmerzen hat, alleine lassen, um dir einen Döner zu holen. Und wenn wir schon dabei sind: Auch Kaugummis einpacken. Deine Freundin braucht deine Unterstützung, wäre schade, wenn sie sie ablehnen musst, weil du kurz vorher Knoblauch gegessen hast und sie jetzt gerade echt keine starken Gerüche ertragen kann.

Die Geburt ist nichts für Schlaumeier.

Klar solltest du dir vorher einmal durchgelesen haben, was bei einer Geburt passiert und welche verschiedenen Phasen es gibt. Mein Mann und ich haben beide keinen Geburtsvorbereitungskurs besucht, weil wir nicht eines unserer letztes freien Wochenenden in einem dunklen Raum verbringen wollten. Wir haben uns aber eigenständig in das Thema eingelesen, wozu gibt es denn das Internet? Aber bei einer Geburt sind Hebammen und Ärzte dabei, die wissen, was sie tun. Dein Job ist es, deine Freundin im Blick zu haben und darauf zu achten, wie es ihr geht und ob sie etwas braucht. Erzähle der Hebamme also nicht, dass die Einleitungsphase schon viel zu lange dauert, sondern biete deiner Frau etwas zu trinken an!

Du bist der Anwalt deiner Freundin!

Wenn du allerdings den Hebammen und Ärzten nicht vertraust und das Gefühl hast, dass hier etwas schiefläuft, dann hör auf dein Bauchgefühl. Nichts ist schlimmer, als hinterher zu sagen, man hatte da so ein mulmiges Gefühl, aber nichts getan. Und deine Freundin ist in der verletzlichsten und schutzlosesten Situation ihres ganzen Lebens. Und im Zweifel völlig überfordert von dem, was da gerade mit ihr geschieht. Es ist also DEIN Job, dafür zu sorgen, dass es ihr gut geht und dass ihre Wünsche respektiert werden. Wenn deiner Freundin zum Beispiel eine PDA verwehrt wird, weil sie es "auch so schaffen wird", dann sorgst du dafür, dass gefälligst sofort der Anästhesist erscheint und ihr die PDA gelegt wird.

Sei flexibel...

Und zum Thema ihre Wünsche respektieren: Kann sein, dass sie vor der Geburt gesagt hat, dass sie eine natürliche Geburt möchte. Aber niemand, der noch kein Kind auf die Welt gebracht hat, kann sich vorstellen, wie krass das werden wird. Wenn sie im Krankenhaus also nach 6 Stunden (oder 3 oder 2) sagt, dass sie nun doch eine PDA möchte, dann versuch nicht mit ihr zu handeln oder sie daran zu erinnern, dass sie das alles ja gar nicht möchte. Glaube mir, jede Frau weiß in dieser Situation ganz genau, was sie will.

und nicht empfindlich!

Womit wir wunderbar beim nächsten Punkt wären: Lege dir eine dicke Haut zu. Kann sein, dass deine Freundin anfängt, dich und Männer im allgemeinen zu verfluchen. Kann sein, dass sie deine Hand so sehr drückt, dass du glaubst, sie wäre gebrochen. Kann sein, dass es dir unglaublich nahe geht, welche Schmerzen sie gerade ertragen muss. Egal: Hinterher habt ihr genug Zeit, über alles zu sprechen und es zu verarbeiten. Oder ihr habt es sofort wieder vergessen. Auf jeden Fall geht es jetzt gerade nicht um dich, sondern darum, dass deine Freundin und dein Kind sicher aus der Sache rauskommen. Also Zähne zusammenbeißen!

Dein Platz ist am Kopf der Frau.

Und wo bist du, während du dir die Hand zerquetschen lässt? Am Kopfende! Außer ihr habt das vorher so abgesprochen, ist dein Platz am oberen Ende des Bettes und wenn du zur Tür musst oder das Fenster öffnen willst, dann schaust du weg. Das letzte, was ihr beide jetzt gebrauchen könnt, sind Sorgen um Schäden für euer zukünftiges Sexleben. Das lenkt nur von der Geburt ab, die volle Konzentration benötigt.

Hilf mit!

Klar kannst du die Wehen nicht übernehmen, aber das ist deiner Freundin und allen im Raum völlig klar. Kein Grund untätig zu sein. Du kannst das Fenster nach ihren Wünsche auf- und wieder zumachen. Du kannst sie ans Trinken erinnern. Du kannst ihr die Schultern oder den Rücken massieren. Du kannst so einiges wichtiges tun, am besten fragst du deine Freundin, was das ist.

Kenne deine Grenzen!

Jetzt habe ich zwar drei Absätze vorher geschrieben, dass es hier nicht um dich geht. Aber trotzdem solltest du deine eigenen Grenzen nicht überschreiten. Niemand will dich hier zu etwas zwingen, also wenn du die Nabelschnur nicht durchschneiden willst, ok! Das ist dein gutes Recht. Und wenn du nicht zwischen die Beine deiner Frau schauen möchtest, obwohl es für sie in Ordnung ginge und die Hebamme dir zuruft: "Schauen Sie mal, das Köpfchen!", dann ist das auch ok. Du bist ein (im besten Fall) erwachsener Mann, du wirst schon wissen, was du möchtest und was nicht.

Lerne dein Kind kennen :)

Das habt ihr euch jetzt beide verdient: Ihr könnt euer Kind im Arm halten. Meistens hat die Frau Vortritt, aber während die Nachgeburt kommt (bei einer natürlichen Geburt) oder deine Freundin wieder zugenäht wird (bei einem Kaiserschnitt - oder auch bei einer natürlichen Geburt... anderes Thema!), ist deine Zeit gekommen! Nimm dein Kind auf den Arm, lege es dir auf die nackte Brust, schnupper an ihm und genieße! Familie, Freunde und Social Media können auch später noch mit den spannenden News versorgt werden.

 

Ich hoffe, euch mit diesen Tipps etwas geholfen und die Nervosität genommen zu haben. Und egal, was während der Geburt passiert: Am Ende wird es das wert gewesen sein!

 

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