Buchrezension: Winters Garten

Buch Winters Garten von Valerie Fritsch

Heute möchte ich euch gerne ein Buch vorstellen: Winters Garten von Valerie Fritsch. Ich weiß leider nicht mehr, wer mir dieses Buch zum letzten Geburtstag geschenkt hat, aber falls der Schenkende mitliest: Danke an dieser Stelle!

 

Worum es geht: Um eine Gruppe Menschen in einer unbekannten Stadt am Meer, die langsam auf den Weltuntergang warten. Und warum finde ich es so großartig?  

Weil es unglaublich schön geschrieben ist! Man blättert unweigerlich nach den ersten paar Zeilen nach hinten, um mehr über den Autor zu erfahren. Denn selten habe ich Bücher gelesen, deren Stil mich so gefangen genommen und mir das Gefühl vermittelt hat, ein wertvolles Kunstwerk in den Händen zu halten. Kostprobe gefällig?

 

"Es war eine heilige Kinderzeit in diesem Garten und in diesem großen, todesvernarrten Haus, in dem Anton Winter so sehr zu Hause war und nichts anderes lernte, als ein großer Mensch zu werden und am Ende so klein zu sein wie alle anderen und keine Angst davor zu haben."

 

Man blättert also zum Autorenprofil und sieht dort das Photo einer attraktiven jungen Dame des 1989er Jahrgangs. 1989! Und eigentlich ist sie auch noch Photografin von Beruf, nicht Schriftstellerin. Das lässt einen dann erstmal schlucken, aber es hilft ja nichts: Auch Menschen, die jünger sind als man selber, haben das Recht, exzellente Arbeit abzuliefern. Deswegen weiter im Buch.

Dieser oben genannte Anton Winter wächst also in einem verwunschenen Garten auf. Und ist ein weises und altkluges Kind (vielleicht auch etwas verschroben). So wie es Kinder eben werden, die ohne Ablenkungen groß werden und Zeit haben, die Welt zu beobachten und sich ihre Gedanken dazu zu machen. Irgendwann aber wird er erwachsen und verlässt den Garten.

 

Er zieht in die Stadt, bleibt ihr aber entrückt und beobachtet sie nur von seinem Penthouse auf dem Dach des höchsten Hauses der Stadt. Wir treffen ihn wieder als schon feststeht, dass das Ende der Welt unmittelbar bevorsteht. Und nun verlässt er seinen Aussichtspunkt doch und möchte mit der wirklichen Welt in Kontakt treten. So trifft er Frederike, verliebt sich und wird zum ersten Mal in seinem Leben nicht Beobachter, sondern Teilhaber am Leben. Was für ein Timing!

 

"Wie sie ihn dann verließ in den Schlaf, und wie er fürchtete, sie würde vielleicht nicht wieder wach. Während der häufiger werdenden Unwetter war ihm, als sähe er ihre Knochen aufleuchten im Licht der Blitze und ihr Herz im Käfig der Rippen wie einen Vogel, der mit den Flügeln schlug."

Ich möchte jetzt gar nicht den Schluss des Buches vorwegnehmen. Aber dennoch kurz in Worte fassen, worum es in diesem Buch geht. Oder zumindest, was es in mir bewegt hat: Jede einzelne Seite webt mit einer bilderreichen und fast schon orientalischen Sprache, mit Freude an jedem einzelnen Wort, einen Zauber um den Leser. Man konzentriert sich auf jeden einzelnen Absatz, lässt die Worte im Mund herumrollen, genießt. Wie es weiter geht ist zweitrangig. Lieber möchte man jeden einzelnen vor einem liegenden Satz bewusst wahrnehmen und wertschätzen. Somit entsteht eine deutliche Parallele zu den Menschen im Buch, die mit aller Kraft versuchen, das Sein in sich aufzusaugen. Oder sich das Leben nehmen, weil sie den Gedanken an den bevorstehenden Verlust nicht länger ertragen. 

 

Am Ende des Buches bleibt das Gefühl zurück, gerade an etwas Anderem teilgenommen zu haben. An etwas Großem, das einen aus dem Alltagsstrudel herausreißt und mit fantastisch detailreichen Schilderungen die Schönheit des Seins in Erinnerung ruft.

 

Ich kann das Buch tatsächlich nur empfehlen, sei es für euch selber oder als Geschenk für Freunde.

 

Update 16. Juni: Einer Freundin, der ich das Buch empfohlen habe, war leider zu wenig Handlung und Geschehen enthalten. Aber wir konnten uns darauf einigen, dass das Buch eher Lyrik ähnelt und man es wie ein wunderschönes Gedicht lesen muss.

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