Warum ich beim nächsten Mal Kaiserschnitt wählen würde

Kaiserschnitt oder natürliche Geburt, PDA oder ohne Medikamente?

Keine Sorge, ihr habt nichts verpasst: Es ist kein 2. Kind unterwegs oder auch nur geplant. Aber "Warum ich einen Kaiserschnitt wählen würde, wenn ich die Zeit zurück drehen könnte" wäre als Überschrift zu lange gewesen. Und ich möchte heute gerne darüber reden, warum ich glaube, dass eine "natürliche" Geburt nicht das non-plus-ultra ist, beziehungsweise einfach nicht für jeden/jede das Richtige.

 

Natürlich oder traumatisch

Meistens hört man in Deutschland von Ärzten, Hebammen, Medien und Freunden, dass die natürliche Geburt das beste für Mutter und Kind wäre. Auch wenn bei unglaublich Vielen diese natürliche Geburt dann doch in einen Kaiserschnitt endet, sollte man doch zumindest versuchen, es natürlich zu schaffen. Für die Kinder sei es besser, sie würden "sanfter" in die Welt begleitet, und die Mütter würden sich schneller von der Geburt erholen.

 

Ich bin jetzt kein Arzt, aber aus meiner Laien- und gleichzeitig Veteranenposition: Bullshit. Weshalb Veteranenposition? Weil für mich die natürliche Geburt einem Einsatz im Krieg gleichkam. Es war unglaublich schrecklich, hat wahnsinnig wehgetan und zwischendurch dachte ich, ich überlebe das nicht. Selbstverständlich war es auch extrem traumatisch. Die Wochen danach musste ich dauernd darüber reden, mich mit anderen austauschen, immer wieder daran zurückdenken... Bis ich alles zum Glück irgendwann verarbeitet hatte. Was ist also so erstrebenswert an der natürlichen Geburt?

 

Besser für das Kind?

Gehen wir erst mal zum Kind über: Ist eine natürliche Geburt für das Kind wirklich besser? Die Argumente dafür sind, dass die Geburt selbstbestimmt einsetzt, nämlich wenn das Kind soweit ist, und zudem die Geburt wichtige Prozesse beinhaltet. Die Wehen "massieren" das Gehirn des Kindes und regen die Lungenfunktion an. Zudem sammelt das Baby auf dem Weg nach draußen viele Bakterien der Mutter ein und wird so später weniger anfällig für Krankheiten oder Allergien.

 

In der Realität ist es aber so, dass ein Viertel aller Geburten medikamentös eingeleitet werden. Weil der Geburtstermin überschritten wurde. In den Krankenhäusern wird dort meistens ein Zeitraum von 7 Tagen nach GT eingehalten, ich selber hatte einen Spielraum von 14 Tagen zugestanden bekommen. Das absolute Maximum. Hier hat man also keine Sorge, dass die "Selbstbestimmtheit" des Kindes verloren geht. Und das obwohl medikamentös eingeleitete Geburten meistens sehr viel länger dauern und somit anstrengender für Mutter und Kind sind.

 

Womit wir beim nächsten Punkt sind: Eine natürliche Geburt ist kein rosarotes Plüschkissen, auf dem das Kind sanft in die Welt gehoben wird. Ein Extraluxus quasi, für den sich zwar die Mutter quält, der dem Kind aber unglaublich guttut. Da wird das Baby nämlich stundenlang immer wieder durch die Wehentätigkeit gequetscht und gedrückt, durch einen engen Geburtskanal geschoben, in dem es im Zeifel ebenfalls stundenlang steckenbleibt und in einer gekrümmten Haltung verharren muss. Wie um alles in der Welt soll das denn nicht auch für das Kind höchst traumatisch sein? Als ob das Bewusstsein erst mit dem ersten Luftholen einsetzt und alles davor ist wie bei Matrix ein Dämmerschlaf?

 

Aaron kam aus der ganzen Sache übrigens mit leicht verschobenem Rücken und Becken raus. Als er monatelang nach der Geburt sehr wenig bis fast gar nicht (vor allem tagsüber) schlief, sind wir zur Osteopathin gegangen. Diese stellte dann fest, dass er durch diese leichte Verschiebung Verspannungen bekommen hat. Dadurch war er dermaßen "unter Spannung", dass er einfach nicht loslassen und einschlafen konnte. Es war auffällig, wie er schon als wenige Tage altes Kind immer alles sehen und beobachten wollte und wehe, dass er in das Tragetuch kam oder ein Vorhang über die Wiege gezogen wurde.

 

Also von wegen Luxusweg in das Leben. In meinem Bekanntenkreis haben mehrere Kinder leichte Verrenkungen (Hals, Rücken, Becken) oder Verspannungen von einer natürlichen Geburt davongetragen. Ganz zu schweigen davon, was im Ernstfall alles bei einer natürlichen Geburt schieflaufen kann. Dass seit Anbeginn der Menschheit immer wieder Mütter und Kinder bei der Geburt gestorben sind, spricht meiner Meinung nach nicht dafür, dass es ein ideales System ist. Und wenn ich meinen erwachsenen Bekanntenkreis so ansehe: Absolut kein Unterschied zu merken zwischen Kaiserschnittkindern und den "Natürlich"-Geborenen. Ich kann weder in der Intelligenz (massiertes Gehirn) noch in der Gesundheit Unterschiede feststellen.

 

Gesünder für die Mutter?

Und die Mütter? Rentiert es sich, stundenlange Schmerzen aus der Hölle (sorry an alle Schwangeren da draußen!) auf sich zu nehmen, weil man kurz nach der Geburt alles vergessen hat und pumperlgesund um sein Baby herumspringt?

 

Nö. Ich sage jetzt nicht, dass man die natürliche Geburt nicht machen soll, sie ist sicher für viele exakt der richtige Weg. Ebenso sicher ist sie nicht für jeden etwas, daher will ich einfach mal ganz neutral festhalten, dass auch die natürliche Geburt viele Nachteile hat. Wofür man sich dann entscheidet, das sollte jeder Frau selber überlassen werden.

 

Was sind also die Nachteile? Erstens: Man vergisst überhaupt nichts sofort wieder. Erinnert ihr euch an die Traumagespräche, die ich oben erwähnt habe? Die habe ich mit soooo vielen Freundinnen oder Bekannten geführt! Und warum sollten wir diese Gespräche geführt haben, wenn wir kein Trauma zu bewältigen gehabt hätten? Wenn wir sofort alles wieder vergessen haben sollten?

 

Dann wird oft gesagt, die natürliche Geburt wäre selbstbestimmt. Das kann sie vielleicht bei einzelnen sein, die von der Natur mit einem besonders guten Körpergefühl und gleichzeitig sehr geringem Schmerzempfinden gesegnet wurden. Die können dann vielleicht tatsächlich das Ganze bewusst lenken. Dem Großteil der Mütter geht es aber sicher wie mir: Da war man sein Leben lang selbstbestimmt, sogar als Kind hat man die Welt Schritt für Schritt erobert und sie sich "untertan" gemacht, wie es in der Bibel so schön  heißt. Und auf einmal wird dieser andere schreckliche Satz der Bibel wahr: "Mit Schmerzen soll sie Kinder gebären." (1.Mose 3:16) Und glaubt mir, da ist für den Großteil von uns nichts mehr mit selbstbestimmt. Das ist eine Ausnahmesituation, die du noch nie in deinem Leben so hattest. die du nicht aufhalten, ändern oder beschleunigen kannst. Punkt.

 

Bist du danach wenigstens total fit und zumindest körperlich ist es so, als ob nichts gewesen wäre? Tut mir leid, das sagen zu müssen, aber: Nein. Der Beckenboden ist im A..., was du in den Monaten danach noch beim Stehen oder Spazierengehen merken wirst. Das wird dann nämlich bei den meisten über kurz oder lang unangenehm. Und wenn man sich dann nicht hinsetzt, dann wird aus unangenehm schmerzhaft. Auch hier gibt es sicher Ausnahmen und das ist ganz wunderbar! So sollte es ja auch sein, dass nach der Geburt alles körperlich gut ist, schließlich will man sein Baby genießen und auch fit sein, denn so ein Baby zu haben ist auch ganz schön anstrengend. Aber bei den meisten ist es halt nicht so, dass die natürliche Geburt ein wunderschönes Erlebnis ist, aus dem sie gestärkt und glücklich und stolz hervorgehen, und das möchte ich einfach mal festhalten.

 

Wenn wir beim Ehrlich-Festhalten sind, dann darf man auch ein anderes Thema nicht auslassen: Viele Frauen reißen bei der Geburt untenrum. Es gibt da verschiedene Grade und das heilt auch wieder. Aber: Während viele Kaiserschnitt-Mütter eine Wunde am Bauch haben und darum Schmerzen und vielleicht auch Probleme beim Gang auf die Toilette (das wird ja anscheinend geprüft, erst nach erfolgreichen Toilettengang darf man nach Hause), haben Frauen nach einer natürlichen Geburt diese Probleme auch. Nur eben aus ganz unterschiedlichem Grund. Und dass hier der Gang auf die Toilette auch superweh tun kann, das kann ich hiermit mal aus eigener Erfahrung und ehrlich sagen.

 

Fazit: Kaiserschnitt oder nicht?

Was ist also mein Fazit aus der ganzen Geschichte? Und warum habe ich das hier so ausgebreitet? Nicht weil ich Schwangeren Angst machen möchte, sondern weil ich wirklich wirklich hoffe, Aufklärungsarbeit zu leisten. Ich habe das seitdem auch bei allen schwangeren Freundinnen gemacht, weil ich finde, dass in Deutschland zu viel Werbung für natürliche Geburt gemacht wird. Denn da gibt es halt noch die andere Seite der Medaille, über die man dann aber weniger liest. Und wie soll man da eine fundierte und selbstbestimmte Entscheidung über die Geburt treffen?

 

Bei mir war es zum Beispiel so, dass ich von Anfang an wusste: Ich will einen geplanten Kaiserschnitt. Und dann kam die Mutterschutzzeit (bei mir sogar ein paar Wochen früher schon, weil ich arbeitsunfähig geschrieben wurde) und ich habe angefangen Blogs, Hebammenseiten und Elternmagazine zu lesen. Überall wurde die natürliche Geburt als das einzig Wahre dargestellt und Kaiserschnitte als Verschwörung der Ärzte, Zeit zu sparen und mehr Geld zu verdienen. Was ja vielleicht von Seiten der Ärzte auch wirklich so ist. Aber trotzdem sollte es hier halt nicht um das gehen, was die Ärzte wollen oder nicht wollen, sondern was die Frauen wollen!

 

Bei mir ging es dann vom geplanten Kaiserschnitt über zu natürlicher Geburt. Von natürlicher Geburt mit PDA im Krankenhaus über zu natürliche Geburt ohne PDA. Weil ich immer mehr Geschichten gehört hatte, dass die PDAs oft nicht wirken oder die Geburt verzögern oder sogar die Frau während der Wirkungszeit nicht betäuben, sondern lähmen. Von natürlicher Geburt ohne PDA im Krankenhaus über zur natürlichen Geburt im Geburtshaus. Weil ich immer mehr gelesen hatte, dass im kleinen gemütlichen Rahmen des Geburtshauses und mit der 1:1 Betreuung durch eine Hebamme und ohne viel wechselndes unbekanntes Personal, das perfekte Setting für eine natürliche Geburt entsteht. Alles würde dann schnell, unproblematisch und möglichst schmerzfrei ablaufen.

 

Tatsächlich kann man sagen, dass so eine Art Gehirnwäsche bei mir stattgefunden hatte. Und das ist das Einzige, was ich wirklich bereue: Nicht an meiner ersten Entscheidung festgehalten zu haben. Ich sage nicht, dass das die Garantie gewesen wäre für eine fantastische Luxusgeburt und danach wäre ich auf Wolken ins Familienbettzimmer gepustet worden und hätte dort 5 Tage verliebt auf mein Baby geschaut.

 

Lasst Frauen wirklich selbstbestimmt sein!

Aber: Ich kenne mich. Ich wusste, dass ich super schmerzempfindlich bin. Als mir nach meiner Weisheitszahn-OP die Fäden gezogen wurden, hat das so wehgetan, dass mir die Tränen übers Gesicht gelaufen sind. Der Arzt konnte es gar nicht fassen, weil ich das angeblich gar nicht hätte spüren sollen. Und ich hasse Blut und Krankheiten. Wenn ich das Gefühl habe, irgendetwas stimmt mit meinem Körper nicht, dann spielt mein Gehirn verrückt und ich habe Angst, Krebs zu haben oder mir etwas gebrochen zu haben oder die Kontrolle über mein Leben zu verlieren und zu sterben. Ich war definitiv nicht die richtige Kandidatin für eine natürliche Geburt!

 

Das ist das, was ich bei der derzeitigen vorherrschenden Meinung in Deutschland nicht verstehe: Wieso soll die natürliche Geburt für alle das richtige sein? Es gibt nunmal sehr viele unterschiedliche Frauen (genauso wie Menschen insgesamt) und auf einmal sollen sie alle gleich sein, nur weil es um etwas geht, was die Natur nunmal allen Frauen zugedacht hat?

 

Deswegen sollen wir auf einmal alle nur noch frau-sein und Unterschiede im Charakter ausblenden? Es gibt nunmal Tiefenentspannte und Ängstliche. Es gibt Fitte und Unfitte. Es gibt Schmerzemfindliche und Schmerzunempfindliche. Es gibt Frauen, die können das mit dem "Go with the Flow", und es gibt Frauen, die - seit sie schreiben können - einen Terminkalender führen und sogar beim Einkaufen planen, wie sie am besten die Gänge im Supermarkt ablaufen, um am effizientesten ihren Einkaufszettel abzuarbeiten. Ja, das gibt es. Und es gibt Kinder, die 3 Wochen zu früh kommen und einen Kopfumfang von 31 cm haben. Und Kinder, die mit 37 cm Kopfumfang zur Welt kommen. Selbstverständlich macht so eine Differenz viel aus!

 

Frauen sind unterschiedlich und das sollte respektiert werden, auch bei der Geburt. Daher möchte ich mit diesem Artikel über die Schattenseiten der natürlichen Geburt aufklären. Die positiven Aspekte gibt es natürlich auch und die sind an vielerlei Stellen im Internet, Büchern, Zeitschriften etc. zu finden. Mein Anliegen ist es, dass sich Frauen ein umfassendes Bild von der Sache machen, aufgeklärt sind und wissen, was auf sie zukommen kann, und dann in sich hineinhorchen, was für sie das richtige ist.

 

Dass ihre Entscheidung dann respektiert wird! Egal ob sie im Geburtshaus gebären wollen, sich für eine PDA entscheiden oder einen Kaiserschnitt planen. Daher müssen Hebammen und Geburtshäuser von der Politik unterstützt werden. Und Krankenhäuser Richtlinien für PDA und Anästhesisten erarbeiten. Denn keine Frau sollte in Geburtswehen 2-3 Stunden auf ihre PDA warten und sich dann vom Anästhesisten (der niemals ein Kind selber auf die Welt bringen wird) sagen lassen müssen, dass Frauen heutzutage immer wehleidiger werden. Zudem sollten Krankenhäuser auch geplante Kaiserschnitte anbieten und nicht Frauen, die dies wollen, entrüstet abweisen und weiterschicken! In Berlin bietet zwar die Berliner Charité geplante Kaiserschnitte an, die meisten anderen aber nicht. Was macht man denn als Frau, wenn man auf dem Land wohnt und das einzige Krankenhaus im Umkreis bildet sich ein, so eine wichtige Entscheidung für bzw. ohne sie treffen zu können?

 

Frauen können Bundeskanzlerin werden, sich zum Militär einschreiben, sich sterilisieren lassen, ein Unternehmen gründen oder ins Weltall fliegen. Aber bei der Geburt sollen sie auf einmal keine Ahnung haben, was gut für sie ist? Besinnen wir uns doch mal darauf, dass das erwachsene, intelligente, fähige Personen sind, über die wir da reden und lassen sie doch einfach mal selbst entscheiden. Selbstbestimmer kann meiner Meinung nach eine Geburt nicht ablaufen.

 

Update: Hier habe ich darüber geschrieben, dass ich auf keinen Fall den geplanten Kaiserschnitt und einen Notkaiserschnitt gleichsetzen möchte. Für mich sind das zwei völlig unterschiedliche Vorgänge!

Teile diesen Artikel

Zum letzten Artikel                                                                                 Zum nächsten Artikel

 Das könnte dir auch gefallen:



Kommentar schreiben

Kommentare: 6
  • #1

    Eva (Mittwoch, 31 August 2016 20:58)

    Liebe Sara,
    Danke für diesen ausführlichen Artikel über ein wichtiges Thema, dass man m.E. Noch auf viel mehr Aspekte des "Kinderbekommens" und "Kinderhabens" ausdehnen kann: die wenig realistische Darstellung in Deutschland und den unglaublich hohen- meist unrealistischen- Anspruch, der mit der Mutterrolle einhergeht. Ob der nun selbstkreiert ist oder von Außen kommt, sei hier mal nicht weiter hinterfragt.

    Auch ich gehörte zu denen, mit denen du nach deiner Entbindung gesprochen hast und die dir aus eigener Erfahrung bei vielem Recht geben konnten- die aber auch mit mehr Abstand und nach 2 Kindern sagte, dass sich vieles relativieren wird.

    Was du schreibst, stimmt zum großen Teil und konnte ich so nach meiner ersten, natürlichen und durchaus ebenfalls traumatischen Entbindung (allerdings in einer amerikanischen Privatklinik in China) so unterschreiben. Allerdings habe ich den "Vorteil" vergleichen zu können. Ich hatte beim ersten doch irgendwann eine PDA- und habe es gehasst weil es mich einschränkt und ans Bett fesselte. Auch ich war gerissen, hatte einen ordentlich lädierten Beckenboden und konnte mich nur unter Schmerzen bewegen.

    Beim 2 (dieses Mal in Manila). ging ich jedoch an die ganze Sache anders heran: gönnte mir eine Doula, las über hypnobirthing, wusste, dass ich das schafften könnte, stellte sicher, dass eine wassergeburt grundsätzlich möglich war. Während Nr. 1 sich nach spontanem Blasensprung selber suf den Weg machte (und dafür 20 Stunden brauchte), wurde Nr. 2 auf natürliche und "sanfte" weise eingeleitet... Es folgten: 12 Stunden Wehen, zum Schluss auch sehr starke- die dieses Mal gar nicht weh taten, weil ich ihren positiv gegenüber stand, sie begrüßte und einfach durch mich hindurch fließen lassen konnte, statt auf Abwehr zu gehen.... Diese 12 Stunden waren wunderbar entspannt und ich konnte eine Idee davon bekommen, wie eine schöne und entspannte und ggf sogar schmerzfrei Geburt sein könnte...

    Leider kam es zum geburtsstillstand und ich landete letztlich leider doch auf dem OP-Tisch. Für die PDA musste zig mal zugestochen werden, sodass ich noch viele Tage nach der Entbindung unsägliche Rückenschmerzen hatte. Den Kaiserschnitt empfand ich ebenfalls als traumatisch- völlig ausgeliefert und quasi fast blind wird an einem herum geschnitten, gedrückt, gerüttelt und am Ende ewig genäht. Das Geschrei meines Kindes, der ins grelle Licht gerissen wurde, ging mir unglaublich nah... Auch, dass er eben nicht direkt zu mir und auf meine nackte Haut konnte, sondern erst durchgescheckt wurde usw.... Und tatsächlich: er hatte Wasser in den Lungen- wie so viele KS-Kinder. Wurde abgesaugt und sollte sogar zur Überwachung auf die Intensiv gelegt und somit von mir getrennt werden.
    Das konnte ich nur dank vehementen stundenlangen Protestes und meiner super engagierten Pedia verhindern.

    Während ich vernäht wurde, hielt man ihn mir zwar nah ans Gesicht und er beruhigte sich etwas, aber ich konnte mein Kind kaum beschauen, nicht richtig festhalten, nicht direkt anlegen.

    In den Folgetage litt ich trotz starker Schmerzmittel unglaublich unter Schmerzen- dagegen waren die von der natürlichen Entbindung nix gewesen! Ich konnte nichts allein- mich nicht ohne Schmerzen bewegen, geschweige denn aufstehen um mein Kind zu holen. Ich war 4 Tage in der Klinik denn es ging mir sehr lange dreckig. Erst weit 24h nach der OP der erste Versuch aufzustehen- ich wäre fast umgekippt vor schmerzen und musste von 2 Personen gestützt werden. Das stillen war auch viel schwieriger, denn sich mal eben von einer auf die andere Seite drehen, ging nicht. Also hieß das auch später zu Hause noch eine ganze Weile: bei jedem Brustwechsel im
    Bett aufstehen und einmal ums Bett herum gehen.

    Da ich auch eine Woche nachdem der OP trotz Schmerzmittel immer noch Höllenqualen beim Wasserlassen litt, ging ich wieder in die Klinik. Diagnose nach einem Ultraschall: handgroßes internes Hämatom, dass u.a. Auf die Blase drückt... Mit Medikamenten ging es dann zum Glück nach ein paar Tagen langsam besser.

    Im übrigens: ja- mein KS-Kind war als Baby viel "schwieriger" und anhänglicher als der Große, lies sich nicht ablegen, schlief bis nach dem ersten Geburtstag nur mit ganz nahenden Kontakt mit mir ein und insgesamt sehr schlecht. Laienhaft und als mutter würde ich sagen: Verarbeitung eines starken Traumas...
    Öfter krank war er auch eindeutig als mein Großer- meist hatte er es an den Lungen.

    Heute sind beide 5 und 3 und man merkt keinen großen Unterschied mehr als zumindest für mich steht fest: eine natürliche Geburt ist kein Spaziergang aber ich persönlich würde nie freiwillig einen KS wählen..

  • #2

    Sara (Mittwoch, 31 August 2016 21:32)

    Liebe Eva, danke für deinen Kommentar. So unterschiedlich sind Frauen und das, was zu ihnen passt! Daher sehr gut, dass du weißt, was für dich das richtige ist :)
    Übrigens habe ich auch einen Artikel darüber geschrieben, dass für mich geplante Kaiserschnitte und Notkaiserschnitte, wie du ihn hattest, ganz unterschiedliche Eingriffe sind: http://www.wasichnocherzaehlenwollte.de/2016/08/25/gedanken-zum-kaiserschnitt/

  • #3

    Manuela (Mittwoch, 02 November 2016 17:25)

    Ich hatte eine sectio ais genau den selben Gründen wie du. Mit einem privaten Arzt in einem öffentlichen Krankenhaus ist das in Österreich scheinbar kein Problem, auch ganz ohne gesundheitliche Probleme. Anderen Müttern erzähl ich das eher nicht. Das erste mal dass ich so etwas in einem Blog zu lesen bekomme. Es wird einem sonst oft suggeriert dass man sich dafür fast schämen muss... Danke für den Beitrag! LG Manuela

  • #4

    Manuela (Mittwoch, 02 November 2016 17:35)

    PS : ich war nach meiner sectio körperlich deutlich schmerzfreier und fitter als die Damen in meinem Zimmer die allesamt einen Dammschnitt hatten, die haben beim Klogang teilweise geweint vor Schmerz :(

  • #5

    Tina (Dienstag, 13 Dezember 2016 14:20)

    Ich hatte 2 absolut identische Geburten mit spontanem Kaiserschnitt. Bei beiden Kindern hatte ich um Mitternacht einen oscarreifen Blasenprung ("passiert nur im Film", meinte die Hebamme im Vorbereitungskurs) und danach schöne Wehen, ohne Fortschritt und irgendwann (so nach 12 Stunden) fehlenden Kindsherztönen. Kaiserschnitt. Beide Male.
    Und ich bin glücklich damit. Ich konnte jeweils am Tag der Geburt schon wieder duschen (hatte tolle - etwas ruppige - Krankenschwestern, die nicht zimperlich waren und mich gleich auf die Füße zogen), und habe mein Frühstück nie ans Bett bekommen. Mir ging es wunderbar. Die Wunde heilte super und ich habe keine Probleme mit einem verschobenem Becken, Dammriss oder gebrochenem Steißbein (wie es bei Freundinnen der Fall war). Die Kinder haben sich den Zeitpunkt quasi selbst gewählt. Und dadurch, dass der Große während der Wehen mit der Nabelschnur (die er 3x um den Hals hatte) selbst stranguliert hatte, und ich bei beiden auch noch eine Schwangerschaftsvergiftung hatte, bin ich froh, wie es ausgegangen ist.
    Schade fand ich im Nachgang dann tatsächlich die Blicke und Bemerkung der anderen Mütter aus dem Geburtsvorbereitungskurs. Als hätte ich mich nicht anstrengen wollen. Naja.
    Sollte noch ein drittes Kind kommen, würde es eh wieder ein Kaiserschnitt werden. Und ich hätte keinerlei Probleme damit.
    LG, Tina

  • #6

    Sara (Mittwoch, 14 Dezember 2016 10:31)

    Liebe Tina,
    Das ist schön zu hören, dass endlich mal jemand glücklich mit seiner Geburt war! Und wegen den Blicken der Anderen: Vielleicht waren sie einfach nur neidisch? Ich glaube die meisten hätten es gerne "leicht", aber leider ist es dem Großteil eben nicht vergönnt... Nicht dass ein Kaiserschnitt mal eben so weggesteckt wird, aber dass du sagen kannst, du bist zufrieden und sogar glücklich damit, wie es gelaufen ist, das ist wirklich ganz wunderbar und leider selten.
    Liebe Grüße,
    Sara