Gedanken zum Kaiserschnitt

Der Unterschied zwischen geplantem Kaiserschnitt und Notkaiserschnitt

Ich habe ja vor ein paar Wochen schon einmal darüber geschrieben, dass für mich bei einem zweiten Kind nur ein geplanter Kaiserschnitt in Frage käme. Mir war es wichtig darauf hinzuweisen, dass jede Frau und jedes Kind anatomisch und psychisch anders veranlagt sind und dass die derzeit überall propagierte natürliche Geburt einfach nicht für Jede die richtige Wahl sein muss.

 

Seitdem habe ich immer wieder gedacht, dass ich vergessen habe einen wichtigen Punkt zu erwähnen:

 

Geplanter Kaiserschnitt ≠ Notkaiserschnitt!

Mir ist es wichtig zu betonen, dass ein geplanter Kaiserschnitt überhaupt nicht mit einem Notkaiserschnitt zu vergleichen ist! Nicht nur ist ein Notkaiserschnitt psychisch sehr belastend - belastender als ein geplanter Kaiserschnitt, auf den man sich einstellen konnte und den man im Zweifel sogar selber gewählt hat.

 

Auch physisch gibt es da große Unterschiede: Die meisten Frauen, bei denen ein Notkaiserschnitt vorgenommen wird, haben da schon stundenlang Wehen hinter sich. Sie nehmen praktisch das schlimmste aus beiden Welten mit. Aber auch anatomisch sind die beiden OPs ganz verschieden:

 

Während bei einem geplanten Kaiserschnitt genug Zeit ist, um die Operation mit der größtmöglichen Sorgfalt durchzuführen, zählt bei einem Notkaiserschnitt im Zweifel jede Minute. Entsprechend heilt die OP-Wunde vielleicht schlechter oder die Ärzte vergessen - wie bei einer Freundin von mir geschehen (!) - die Plazenta mit herauszuheben. Was das für die Rückbildung und Heilung für meine Freundin bedeutet hat, dass könnt ihr euch sicherlich vorstellen.

 

Ein anderer wichtiger Unterschied ist die Beckenlage des Kindes. Nach stundenlangen Wehen, bei denen das Kind vielleicht sogar schon lange im Geburtskanal steckt und nicht weiterkommt (ein häufiger Grund für einen Notkaiserschnitt), steckt das Kind wirklich tief im Becken und lässt sich nicht einfach herausheben!

 

Meine Schwester ist Ärztin und hat vor Jahren ein Praktikum in der Gynäkologie-Station eines Krankenhauses in Indonesien gemacht. Zuallererst: Wir können so froh sein, das deutsche Gesundheitssystem genießen zu können! Im Großteil der Welt sieht es leider einfach nur düster aus.

 

Aber zurück zu der indonesischen Gynäkologie-Station: Meine Schwester hat dort einen Fall erlebt, der mir während der Geburt (die einfach nur ätzend war und bei der ich eigentlich nichts lieber gehabt hätte als einen Kaiserschnitt) die ganze Zeit in Erinnerung war und der mich davon abgehalten hat, in diesem späten Stadium doch noch ins Krankenhaus zu wechseln. Die Ärzte haben bei einer Schwangeren, bei der eigentlich absehbar war, dass sie schon zu geschwächt ist und die Geburt nicht alleine schaffen wird, viel zu lange abgewartet. Bis auf einmal die Herztöne des Kindes alarmierend wurden. Dann ging alles ganz schnell, OP und Notkaiserschnitt. Aber das Kind war schon so tief im Becken, dass sie es trotz Ziehen und Zerren nicht herausbekommen haben! Am Ende hat ein Arzt auch noch von unten gedrückt (schlimmes Kopfkino!) und irgendwann, nach einer halben Stunde (!), haben sie das Kind dann doch herausholen können. Das war der letzte Tag meiner Schwester in dem Krankenhaus und sie weiß nicht, ob das Kind überlebt hat. Sie hat nur gesehen, wie ein Arzt das völlig blaue kleine Ding aus dem OP getragen hat und auf die Intensivstation gelaufen ist.

 

Nicht jeder Notkaiserschnitt muss so ablaufen, im Gegenteil: Die meisten laufen in Deutschland zum Glück ganz anders ab. Aber der Fakt bleibt, dass das Kind schon sehr tief im Becken liegt und nicht einfach zart herausgehoben werden kann. Mit allen möglichen Folgen für Mutter und Kind.

 

PS: Ich bin kein Arzt und möchte hiermit betonen, dass sich bitte jeder noch einmal von seinem Arzt und seiner Hebamme beraten lassen soll. Aber nach vielen Gesprächen mit Freundinnen und Bekannten bin ich zu dieser Meinung gekommen, die für mich richtig ist.

Teile diesen Artikel

Zum letzten Artikel                                                                                 Zum nächsten Artikel

 Das könnte dir auch gefallen:



Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Manuela (Mittwoch, 02 November 2016 17:32)

    Für mich hat es auch gepasst und ich war sehr zufrieden mit der geplanten sectio. War eine super Geburt, jederzeit wieder! Man sollte immer auf sein Gefühl hören, sich gerade in diesem Fall nichts einreden lassen! Jede Form hat ihre Vorteile und Nachteile... LG