Elterliche Erkenntnisse... #1 Warum Kinderkleidung immer kindlich sein muss

Elterliche Erkenntnise #1: Warum Kinderkleidung immer kindlich sein muss!

Als kinderloser Mensch scheint einem vieles im Familienuniversum unerklärlich, mysteriös oder zumindest nicht ganz logisch. Warum müssen Mütter mit Kinderwägen immer nebeneinander fahren und den Gehsteig blockieren? Warum können Eltern nicht mal entspannen und tatsächlich Sätze zu Ende sprechen, während man sich mit ihnen plus ihren Kindern trifft? So viele Warums! Aber wenn man dann selber ein Kind hat, wird einem vieles klarer. Und zumindest ich habe mich in Gedanken schon öfter für mein früheres Unverständnis Eltern gegenüber entschuldigt.

 

Daher wollte ich eine neue Kategorie hier auf dem Blog einführen: Elterliche Erkenntnisse. Als Abbitte für früheren kinderlosen Hochmut, Schulterschluss mit Mit-Eltern ("Was, bei euch ist das auch so?") und Einblick für kinderlose Menschen. Denn was einem vertraut ist, macht einem nicht mehr Angst. Oder so ähnlich... ;)

 

Erkenntnis #1: Warum Kinderkleidung immer kindlich sein muss

Was man sich als coole Neueltern vornimmt, ist zum einen nichts, aber auch gar nichts für das Kind zu kaufen. Denn wie man von allen hört, spielen Kinder sowieso am allerliebsten mit den Dingen, die schon in der Wohnung vorhanden sind: Bücher ausräumen, Küchenschubladen umräumen, Stecker ziehen.... Pustekuchen, irgendwann ist die Wohnung mit Spielzeug überflutet, aber das ist eine andere Geschichte. 

 

Der zweite Vorsatz ist, keine kindische Kleidung zu kaufen, sondern etwas, das den eigenen Stil repräsentiert. Also hochwertige Materialen, gedeckte Farben, coole Schnitte und allerhöchstens geometrische Muster oder ein Spruch, der das eigene Lebensgefühl ausdrückt. Aber auch hier: Pustekuchen!

Spätestens wenn das Kind seinen Willen verständlich machen kann mit dem allseits beliebten Wort "Nein", hat es auch einen eigenen Geschmack entwickelt. Und Kinder mögen nunmal das, was sie schon kennen. Also entweder der Pullover, der schon viel zu klein ist und die letzten Monate rauf und runter getragen wurde. Oder: Ein Motiv auf dem neuen Pullover, mit dem man dem Kind die ganze Sache schmackhaft machen kann. Also in Aarons Fall: Ein Fahrrad, ein Bagger, ein Bus, ein Bär, ein Hund...

 

Seine Herbstjacke (cooler Bikerstil, Lederverschnitt, warm gefüttert - sieht echt super aus!) hat er gehasst. "Nein" und wegdrehen und schmollen und absolut nicht die Arme durch die Ärmel stecken. Bis ich entdeckt habe, dass auf den Knöpfen kleine Adler geprägt sind. Nachdem ich mich dann 10 Minuten auf der Straße hingesetzt habe und alle "Vögel" mit ihm entdeckt habe, ist die Jacke jetzt ok. "Aaron, hol mal die Jacke mit den Vögeln!" funktioniert. Erleichterung. 

 

Aber all die Kinderkleidungshersteller sollten wirklich mehr daran denken, was Eltern brauchen, nicht was Eltern wollen. Wie soll man seinem Kind ein T-Shirt schmackhaft machen auf dem Dreiecke sind? Oder "Hipster" steht?

 

Irgendwie habe ich es zum Glück bisher immer geschafft, etwas (für Aaron) Interessantes an Kleidungsstücken ausfindig zu machen. Aber komplett versagt habe ich, als ich ihm die kleine Lederhose angezogen habe, die schon mein Bruder getragen hat. Ohne Witz, Aaron hat angefangen zu weinen. Bitterlich! Kein gutes Zureden hat geholfen, die Tränen sind geflossen. Und das von einem Kind, das im Kindergarten "Buddha" genannt wird, weil es so in sich ruht. Tja, nur weil die Eltern aus Bayern kommen, ist für so einen Kreuzberger Jungen anscheinend noch lange kein Grund, die eigene Berliner Identität zu vergessen. Lektion gelernt und die süße Lederhose wird wieder nach Bayern zurückgeschickt.

 

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